Literatur
Das Geisterhaus
Allende, Isabel
Suhrkamp , 2013

Die Geschichte der alteingesessenen Familie del Valle setzt zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Chiles scheinbar wohlgeordneter Welt ein und reißt uns mit in einem Strudel politischer Umbrüche und Gewalt, der die persönlichen Schicksale unaufhaltsam bestimmen wird.Der Erfolg dieses Epos verdankt sich dem hinreißenden Erzähltemperament Isabel Allendes: Mit Phantasie, Witz und mit Zärtlichkeit malt die Autorin das bunte Tableau einer Familie über vier Generationen hinweg.Ihr erster Roman hat Isabell Allende zu einer Schriftstellerin von Weltrang gemacht.
Michi Strausfeld über das Buch >
Über die Hoffnung inmitten von Folter und Terror: Isabel Allende erzählt die Geschichte ihrer eigenen Familie
Über vierzig Jahre nach Erscheinen lassen sich Inhalt und Erfolg nur schwer voneinander trennen. Knapp vier Millionen Exemplare des Weltbestsellers wurden allein in Deutschland verkauft. Die Familiensaga erzählt von Esteban Trueba, einem lateinamerikanischen Patriarchen, der die Geschicke der Familie bestimmt – obwohl die Frauen aus vier Generationen die eigentlichen Protagonistinnen der Dynastie sind. Parallel wird die politische Geschichte Chiles im 20. Jahrhundert bis zum Putsch von Pinochet 1973 gespiegelt.
Trueba verkörpert die konservative Macht im Land. Als Senator bekämpft er wie die gesamte reiche Oberschicht den legitim gewählten Präsidenten Salvador Allende, dessen Regierung mithilfe der CIA destabilisiert wird. Dann beginnt der Terror im Land, auch die geliebte Enkeltochter wird ein Folteropfer. Die Schilderung dieser bewegten Jahre voller Illusionen und Intrigen ist unverändert beklemmend.
In gewisser Weise steht der Roman exemplarisch für die instabilen Demokratien Lateinamerikas. Überall verweigern die mächtigen Klassen, deren Reichtümer oft bis in die Kolonialzeit zurückreichen, notwendige Umverteilungen und Reformen. So bleiben die sozialen Ungerechtigkeiten erhalten.
Aber die Autorin gibt eine Hoffnung mit. Trueba erkennt am Ende seines 90-jährigen Lebens, dass er politisch und familiär gescheitert ist: Die Militärs haben eine Diktatur errichtet, die Mitglieder der Großfamilie haben sich einander entfremdet, sein Patriarchat hat verloren. Die Enkelin schreibt diese packende Familiengeschichte auf. Das Geisterhaus ist ein zeitloser Roman, auch deshalb, weil das Elend, das er beschreibt, noch längst nicht aus der Welt ist.